Die Seeschlacht vor dem Río de la Plata (Dez. 1939)Seite drucken

Die ganze Welt blickte auf Montevideo, als es im Dezember 1939 zwischen dem reichsdeutschen Panzerschiff "Admiral Graf Spee", unter dem Kommando von Kapitän zur See Hans Wilhelm Langsdorff, und einem Verband der britischen Royal Navy zur "Seeschlacht vor dem Río de la Plata" und der anschließenden Selbstversenkung des damals wohl machtvollsten Kriegsschiffs der Welt kam.

Die Admiral Graf Spee (Archivbild).

Foto: Das reichsdeutsche Panzerschiff "Admiral Graf Spee" (Archivbild).

Uruguay war zu diesem Zeitpunkt im Krieg offiziell neutral. Erst am 25. Januar 1942 brach die uruguayische Regierung die diplomatischen Beziehungen zu Hitlerdeutschland ab. Am 15. Februar 1945, auf den letzten Drücker, erklärte sie Hitler dann noch den Krieg, wohl in der Hoffnung ein paar Krumen vom Kuchen der Sieger abzubekommen.

Zwischen Ende September und Anfang Dezember hatte die Admiral Graf Spee insgesamt 9 britische Handelsschiffe bzw. 50.089 BRT im Südatlantik versenkt, wobei Langsdorff, ein Soldat mit intaktem Ehrenkodex, immer bemüht gewesen war, die betroffenen Besatzungen zu retten.

Foto: Der reichsdeutsche Panzerkreuzer Admiral Graf Spee in voller Fahrt (Archivbild).

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Foto: Der reichsdeutsche Panzerkreuzer "Admiral Graf Spee" in voller Fahrt (Archivbild).

Nach langer, zunächst vergeblicher Suche brachte am 13. 12. 1939 ein britischer Verband mit dem Schweren Kreuzer "Exeter" und den Leichten Kreuzern "Ajax" und "Achilles", unter Commodore Henry Harwood, die Graf Spee vor der Mündung des Río de La Plata auf, die sich zum Kampf stellte. Es gelang Kapitän Langsdorff, die Exeter außer Gefecht zu setzen (61 Tote, 23 Verwundete) und auch die beiden Leichten Kreuzer zu beschädigen.

Wegen eigener Treffer und Verluste (36 Tote, 60 Verwundete) nahm er anschließend nicht die Verfolgung auf und wich auch nicht auf den offenen Atlantik aus, sondern lief zwecks Reparaturen am 14. Dezember 1939 den Hafen des offiziell neutralen Montevideo an.

Dort angekommen ließ Langsdorff, verunsichert durch gefälschte Meldungen über die Konzentration starker britischer Verbände vor der Küste, seine Besatzung erst einmal von Bord gehen. Noch am gleichen Tag fand in Montevideo das Begräbnis der gefallenen Kameraden statt.

Begräbnis der 36 Gefallenen der Admiral Graf Spee

Fotos: Zwei Bilder vom Begräbnis (am 14. 12. 1939) der 36 in der Schlacht am Vortag gefallenen Besatzungsmitglieder der Admiral Graf Spee.

Foto oben: Die 320 verbleibenden Besatzungsmitglieder der Admiral Graf Spee durften ihren Gefährten in voller Uniform das letzte Geleit erweisen.

Foto unten: Kapitän zur See Hans Wilhelm Langsdorff (in der Mitte) entbietet den militärischen Gruß und nicht den Nazigruß, wie alle Anderen, die Priester inklusive. Langsdorff war kein Nazi gewesen, sondern Offizier der deutschen Reichsmarine, der er 1912 im Alter von 18 Jahren beigetreten war.

Begräbnis der Gefallenen der Admiral Graf Spee, mit Kapitän Langsdorff.

Dem geschickten Taktieren des britischen Botschafters in Montevideo, Sir Eugen Millington Drake, ist es zuzuschreiben, daß die Graf Spee hier ihr Ende fand, im Gefecht ungeschlagen. Er handelte mit der uruguayischen Regierung aus, daß das deutsche Panzerschiff den Hafen innerhalb von 72 Stunden wieder verlassen müsse. D.h. die längere Liegezeit, die für die Reparaturen nötig gewesen wäre, wurde den Deutschen von den uruguayischen Autoritäten verweigert.

Mit politischer Neutralität hatte diese Disposition rein gar nichts zu tun.

Nach internationalem Seerecht durfte kein Kriegsschiff einen Hafen verlassen, wenn in den zurückliegenden 24 Stunden ein Schiff der gegenerischen Seite aus diesem ausgelaufen war. Deshalb sorgte Sir Drake dafür, daß jeden Tag ein britisches Handelsschiff den Hafen von Montevideo verließ und verhinderte damit ein sofortiges Auslaufen des reichsdeutschen Panzerkreuzers. Die britische Verstärkung, die bereits auf dem Weg war, benötigte noch etwas Zeit, um an die La-Plata-Mündung zu gelangen, wo sich auch die von der Admiral Graf Spee in die Flucht geschlagenen Kreuzer Ajax und Achilles inzwischen wieder eingefunden hatten, um zusammen mit der dazu gestoßenen Cumberland die Zufahrt zum Atlantik zu blockieren.

Die Admiral Graf Spee im Hafen von Montevideo, 17. 12. 1939

Foto: Die Admiral Graf Spee am 17. 12. 1939 im Hafen von Montevideo, klar zum Auslaufen.

Am 17. Dezember 1939 um 18.15 Uhr verließ die Graf Spee dann den Hafen von Montevideo. Tausende von Menschen waren zusammengekommen, um das Auslaufen des deutschen Schlachtschiffs zu beobachten. Nach Rücksprache mit der Reichsregierung in Berlin ließ Kapitän Langsdorff knapp außerhalb der Drei-Meilen-Zone ankern und Sprengsätze im ganzen Schiff scharf machen. Die Besatzung verließ das Schiff. Um 19.52 Uhr detonierten die Sprengladungen.

Die brennende Admiral Graf Spee, Rio de la Plata, 17. 12. 1939

Fotos oben und unten: Die brennende Graf Spee im Mündungasdelta des Rio de la Plata. Nach Rücksprache mit der Reichsregierung in Berlin versenkte Kapitän Langsdorff sein Schiff vor der uruguayischen Küste. Es sollte nicht in britische Hände fallen, und die Mannschaft sollte nicht in Gefangenschaft geraten oder gar den Tod finden.

Die brennende Admiral Graf Spee, Rio de la Plata, 17. 12. 1939

Kapitän zur See Hans Wilhelm Langsdorff.Angesichts der britischen Übermacht, die inzwischen vor der La-Plata-Mündung aufgefahren war, wurde so der sichere Tod (oder eine Gefangennahme) der Besatzung vermieden, und die Admiral Graf Spee konnte nicht von den Briten übernommen werden.

Kapitän zur See Hans Wilhelm Langsdorff (Bild links) erschoß sich am 19. Dezember 1939 mit seiner Dienstwaffe per Kopfschuß in seinem Zimmer im Marine-Arsenal in Buenos Aires, in voller Offiziersuniform auf der deutschen Reichskriegsflagge liegend. Am 22. Dezember 1939 wurde er auf dem deutschen Friedhof von Buenos Aires unter Anteilnahme einer großen Menschenmenge beigesetzt.

In einer Zeit, wo Barbarei und Massentötungen an der Tagesordnung waren, hatte er ein Zeichen soldatischer Ehre gesetzt.

Die Besatzung der Graf Spee kam bis 1946 in Buenos Aires in Kriegsgefangenschaft. Danach kehrten viele nach Deutschland heim, nicht wenige blieben jedoch auch am Río de la Plata, vor allem in Buenos Aires und Montevideo. 

Video: Die Beisetzung des Kapitäns zur See Hans Wilhelm Langsdorff (* 20. März 1894 in Bergen auf Rügen, † 19. Dezember 1939 in Buenos Aires) mit allen militärischen Ehren in der deutschen Sektion des Friedhofs "La Chacarita" in Buenos Aires war praktisch ein Staatsereignis. Tausende von Menschen gaben dem Kapitän der Admiral Graf Spee das letzte Geleit. Auch einige Nazi-Größen waren gekommen (sah ich da Heinrich Himmler in dem Video?), und natürlich alle überlebenden Besatzungsmitglieder der Graf Spee, vom ersten bis zum letzten Mann.

Im Februar 2004 wurde damit begonnen, das Wrack mit Hilfe eines Schwimmkrans aus 8 m Tiefe zu heben. Die Bergungsaktion wurde von privaten Investoren und dem Staat Uruguay finanziert, da das Wrack die Schiffahrt behindert. Nach mehreren erfolglosen Anläufen mußte die Bergungsaktion am 9. Februar 2004 wegen der ungünstigen Wetterbedingungen zunächst erfolglos eingestellt werden.

Am 25. Februar 2004 wurde dann, als erstes größeres Wrackstück, der 27 t schwere Artillerieleitstand mit dem Entfernungsmesser geborgen.

Bergungsaktion vor der Rio-de-la-Plata-Mündung: Der Artilleriestand mit dem Entfernungsmesser der Admiral Graf Spee wird aus dem Wasser gehievt.

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Foto: Bergungsaktion vor der Rio-de-la-Plata-Mündung: Der Artilleriestand mit dem Entfernungsmesser der Admiral Graf Spee wird aus dem Meer gehievt.

 

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