Musik aus Uruguay (Videoclips): Eine bunte MischungSeite drucken

Musik aus Uruguay.Uruguay ist eine Musiknation mit einer reichen Tradition. Schließlich wurden hier der Tango und der Candombe erfunden.

Aber auch die Milonga und die Cumbia sind in Uruguay zuhause, ebenso wie viele andere Musikstile. Neben Latino-Rhythmen werden hier auch alle "okzidentalen" Musikgenres gespielt. Uruguay ist überhaupt ein Land mit viel Kultur und vielen talentierten Künstlern.

Hier eine kleine Auswahl uruguayischer Musik zum Anhören und -Schauen (Viedoclips).

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Zum Einstieg

Niquel, die gestandenen "Weichmetaller" aus dem Montevideaner Hafenviertel, mit ihrem sehr melodischen Klassiker "Candombe de la Aduana" ("Candombe vom Zoll"). Hier noch eine Liebeshymne der harten Weichrocker an Uruguay: "Amo este Lugar" ("Ich liebe diesen Ort").

Der Name der Gruppe ist Programm: Niquel = Nickel = ein "weiches" Metall.

Jaime Roos, das Urgestein uruguayischer Volksmusik und Balladen, mit seinem wunderschönen, romantischen Liebeslied "Amándote" ("Dich liebend") und seinem Megaklassiker "El Hombre de la Calle" ("Der kleine Mann von der Straße").

Allroundtalent und Tausendsassa Ruben Rada mit seinem fetzigen Cha-Cha-Cha "Cha Cha Muchacha" ("Cha Cha Mädel").

Laura Canoura, eine der Altvorderen der uruguayischen Musikszene, mit einem typischen Latino-Gesülze: "Adoro" ("Ich bete an" oder "Ich schätze") - nicht mein Fall, aber viele mögen's.

Tango

Ein Tango-Klassiker, der in einer Uruguay-Musiksammlung auf keinen Fall fehlen darf: Das nostalgische "Por una Cabeza" ("Um einen Kopf") von Tango-König Carlos Gardel (* 1883 † 1935) - hier in einer gelungenen Instrumentalversion, illustriert mit guten Bildern.

Hier eine Tango-Show mit Orchester und Tanz aus Montevideo - ein echtes Fundstück! Das renommierte Orquesta Matos Rodríguez spielt den Klassiker "La Puñalada" ("Der Dolchstoß"). Merke: Ein richtiger Tango ist immer dramatisch!

Achten Sie besonders auch auf die Klänge des Bandoneons, des Instruments schlechthin des rioplatensischen Tangos.

Nochmal das Bandoneon und etwas für Klassik-Liebhaber: Das Philharmonische Orchester von Montevideo spielt das "Concierto para Bandoneón y Orquesta" ("Konzert für Bandoneon und Orchester") des argentinischen Komponisten Astor Pantaleón Piazzolla (* 1921 † 1992). Dirigent: Federico Garcia Vigil (Uruguay). Solist: Raúl Jaurena (Uruguay).

Hier sind Teil 2 bzw. Teil 3 dieses Konzerts.

Hier interpretiert Julio Sosa (* 1926 † 1964), einer der 'Erben' von Carlos Gardel, den Tango-Klassiker "Cambalache" ("Billiger Tauschhandel").

Und nochmal Tango - und zugleich auch etwas Geschichte: Lágrima Ríos (* 1924 † 2006), lange Jahre eine der bedeutendsten Stimmen Uruguays, interpretiert den Tango "Viejo Ciego" ("Blinder Alter").

Rock Uruguayo

Etwas für die Jüngeren und jung Gebliebenen: Die Rap-Rocker-Band El Peyote Asesino ("Der Killer-Peyote") mit ihrem famosen Song "Mal de la Cabeza" ("Blöd im Kopf" bzw. "Bescheuert").

Hier ein Clip einer der beiden derzeit erfolgreichsten uruguayischen Rockgruppen: "Tan Lejos" ("So weit") von No Te Va Gustar. Außerdem ihr romantischer Song "Esos Ojos" ("Diese Augen") und der Megahit (live!) "Vivir Muriendo" ("Sterbend leben").

Die nächste Nummer ist ein absolutes Muß in jeder Uruguay-Musiksammlung: "Nací Celeste" ("Ich bin himmelblau von Geburt"; Himmelblau ist die Nationalfarbe Uruguays und natürlich auch die Farbe der Fußball-Nationalmannschaft). Das Lied und der Videoclip -eigentlich ein Werbespot der Biermarke Pilsen, offizieller Sponsor der uruguayischen Fußball-Nationalmannschaft- geben wie kaum etwas Anderes den uruguayischen Nationalstolz, die Fußballbegeisterung und das hiesige Lebensgefühl wieder.

"Nací Celeste" kann getrost als inoffizielle Hymne des uruguayischen Fußballs betrachtet werden - ja sogar als heimliche Nationalhyme des Landes schlechthin. 

"No Te Va Gustar" bedeutet übrigens paradoxerweise "Es wird Dir nicht gefallen".

Den folgenden Song dürfen Sie auf keinen Fall verpassen! Es handelt sich um einen absoluten Klassiker der uruguayischen Rockmusik, der hier ein kulturelles Erdbeben auslöste (1996). Die Wächter über die gesellschaftlichen Normen gerieten in helle Aufregung, und die Jugendlichen verfielen in begeisterte Raserei, wenn sie das Lied hörten - ein echter Gassenhauer: "El Día que Artigas se Emborrachó" ("Der Tag, an dem sich Artigas besoff").

José Artigas wird hier als makelloser Nationalheld aller Klassen hochgehalten, als eine Art Heiligenfigur - und die Jungs von der damals zwar nicht mehr neuen (gegründet 1980), aber immer noch unverbrauchten Rockgruppe mit dem Nonsens-Namen Cuarteto de Nos (unübersetzbar) gingen da einfach her und sangen über einen Artigas, "der jeden nur möglichen Sch... baute", als er betrunken war! (José Artigas war zweifellos ein interessanter Mensch. Er selbst hätte wahrscheinlich über das Lied gelacht. Hier eine Artigas-Biographie.)

Das Lied sorgte schon für einen Skandal, noch bevor es überhaupt erschienen war, durch einen Vorabdruck des Texts nebst Interview mit den Musikern in der Zeitscdhrift "tres", und brachte der Band sogar eine Strafanzeige durch das Ministerium für Erziehung und Kultur ein wegen Verunglimpfung des uruguayischen Nationalhelden! (Es kam jedoch zu keiner Verurteilung.) Außerdem wurde der Song vom "Nationalen Institut zum Schutz von Minderjährigen" mit einem Verbot belegt, d.h. es durfte von TV- und Radiostationen nicht während der geschützten Sendezeiten ausgestrahlt und nicht an Orten gespielt werden, zu denen Minderjährige Zutritt haben.

Dieses bornierte Verhalten und vor allem das Verbot haben der Gruppe die größtmögliche Publicity beschert, die man sich vorstellen kann. So haben z.B. alle Fernsehkanäle das ketzerische Stück zur besten Sendezeit in ihren Nachrichtenmagazinen als "Dokumentation" in voller Länge ausgestrahlt und sich über die Prohibition lustig gemacht.

Zum Videoclip: Erwarten Sie keine perfekte Qualität! Es handelt sich um einen Mitschnitt eines Live-Auftritts der Band in Chuy (Rocha), der jedoch sehr gut die begeisterte Stimmung des Publikums zeigt. Die Pointen und Artigas-Zitate können natürlich nur Uruguayos bzw. Eingeweihte verstehen...

Hier noch zwei weitere Lieder der Gruppe: das schlicht und einfach wahnsinnig gute (Text, Musik und Visualisierung!) "Ya no Sé que Hacer Conmigo" ("Ich weiß nicht mehr, was ich mit mir anfangen soll") aus ihrem Erfolgsalbum "Raro" ("Seltsam", 2006) und ein Promoclip für ihr Album "Bipolar" ("Bipolar" oder "Zweipolig", 2009), "Satisfacción" ("Befriedigung"), mit interessanten Statements der Musiker...

War schon der Text über Artigas wahnsinnig gut und "ketzerisch", vor allem für uruguayische Verhältnisse, so ist es der Text von "Ya no Sé que Hacer Conmigo" noch viel mehr. In diesem unglaublichen Lied geht es nämlich um uns, um Sie und mich und darum, was wir aus unserem Leben gemacht haben, oder auch nicht. Einfach v-o-l-l-k-o-m-m-e-n irre! Und zornig. Zu Recht!?...

Während viele andere Künstler ihr Pulver oft in ihren ersten Jahren verschiessen, wächst und reift das Cuarteto de Nos mit der Zeit ungebrochen und veröffentlichte 2012 sein vielleicht bestes Album, "Porfiado" ("Trotzig, Starrköpfig"). Hieraus das tolle Lied "Cuando Sea Grande" ("Wenn ich einmal groß bin").

Cumbia

Cumbia-Musik ist vor allem bei den einfacheren Volksschichten beliebt und wird in den Tanzhallen gespielt, die die Jugendlichen dieser gesellschaftlichen Sektoren an Wochenden zu Tausenden füllen. Starke Polizeipräsenz zur Verhinderung von Schlägereien ist an diesen Orten durchaus üblich. Und dabei ist die Cumbia-Musik doch so lieblich - und so schnulzig. Zumindest einmal sollte man sie schon gehört haben.

Hier eine der beliebtesten Cumbia-Bands Uruguays: Los Nietos del Futuro ("Die Enkel der Zukunft") mit ihrer Nummer "Gelatina" ("Gelatine").

Und weil es so schön war, hier noch ein Cumbia-Clip aus Uruguay: Die ebenfalls hoch dotierten Los Fatales ("Die Fatalen") mit ihrem Hit "Comadre, Compadre" ("Kumpeline, Kumpel").

Canto Popular

Canto Popular (Volksmusik) - das heißt in Lateinamerika immer auch: Protestlieder und Sozialkritik. Ganz oben im Ranking dieser Kategorie steht das bereits 1962 gegründete Duo Los Olimareños von Pepe Guerra und Braulio López, benannt nach einem Fluß in Treinta y Tres, wo die beiden her stammen. Nach 19jähriger Trennung (Solokarrieren) traten sie im Mai 2009 erstmals wieder gemeinsam auf - vor einem ausverkauften Centenario-Stadion.

Hier einer ihrer unumstrittenen Klassiker: "Cielo del '69" ("Himmel von '69").

Ein weiterer Gigant des uruguayischen Canto Popular war der kürzlich verstorbene José Carbajal (* 1943 † 2010), genannt "El Sabalero", der auch so intensiv lebte wie er sang. Hier live mit einem seiner bekanntesten Lieder: "A Mi Gente" ("Für meine Leute"). Sein Nummer-Eins-Hit aller Zeiten ist wohl sein Song über den Tod: "La Muerte" ("Der Tod"). Und hier noch ein Lied, das seinen Lebensstil wohl am besten ausdrückt: "Borracho - Pero con Flores" ("Besoffen - Aber mit Blumen").

Daniel Viglietti ist ein anderer Großer des uruguayischen Canto Popular und den sozialrevolutionären Bewegungen stark verpflichtet. Er repräsentierte Uruguay in dem legendären Konzert "Abril en Managua" ("April in Managua", 1983) im sandinistischen "Nicaragua libre" u.a. mit seinem Lied "A Desalambrar" ("Entfernen wir die Zäune").

Gegen Ende dieser Sammlung noch drei (weil er eine so schöne Stimme hatte und so gut war) der bekanntesten Stücke des wohl bedeutendsten uruguayischen Folkloresängers (Canto Popular), Alfredo Zitarrosa (* 1936 † 1989), den z.B. auch Joaquín Sabina (der "spanische Bob Dylan") als eines seiner Vorbilder bezeichnet: "Candombe del Olvido" ("Candombe des Vergessens"), "Milonga de Ojos Dorados" ("Milonga der goldenen Augen") und "Milonga más Triste" ("Die traurigste Milonga").

Und noch einmal Canto Popular: Washington "Canario" Luna (* 1938 † 2009) mit einer seiner bekanntesten Nummern: "Brindis por Pierrot" ("Ein Toast auf Pierrot").

Murga

Noch etwas, was in keiner Musiksammlung aus Uruguay fehlen darf: eine Murga. Die Gruppe Agarrate Catalina ("Halt Dich fest, Catalina") ist derzeit zweifellos eine der besten dieses Genres und hier zu sehen und hören in einem »Live-Auftritt« während des diesjährigen Karnevals.

Upon Special Request von Leser/innen

Jorge Drexler mit seinem Erfolgssong "Al otro Lado del Río" ("Auf der anderen Seite des Flusses").

Drexler hat mit desem Lied, das als Filmmusik des Ché-Guevara-Films "Diarios de Motocicleta" (Walter Salles 2004, dt. "Tagebuch einer Motorradreise" bzw. "Die Reise des jungen Che") diente, 2005 den ersten uruguayischen Oscar gewonnen, wobei es bei der Preisverleihung einen kleineren Skandal gab: Die Organisatoren ließen einen Anderen das Lied singen und nicht Drexler, der dann, statt eine kurze Ansprache zu halten, sein Lied doch noch selbst in das Mikro trällerte :)

Sogar vom uruguayischen Präsidenten wurde Drexler damals empfangen...

Malena Muyala mit ihrem Tango "Los Mareados" ("Die Benebelten"): Eine schöne Frauenstimme, ein melancholisches Lied.

Hier ein letzter Leckerbissen aus Uruguay: Die Gruppe Buitres ("Die Geier") live beim »Pilsen-Rock-Festival 2009«: Zehn Minuten fetzige und melodische Musik!

Auch in Deutschland...

...gab es mal Musiker, die Klartext sangen (lang, lang ist's her...), z.B. Ton, Steine, Scherben mit "Keine Macht für Niemand".

Mehr Musik & Videos aus Uruguay

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Hier ist der direkte Link zur Musik-Playlist mit den Clips dieses Artikels und mehr. Viel Spaß!

 

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