Die okkulte Seite Uruguays:
Umbanda und VoodooSeite drucken

Hexerei und Wahrsagerei sind zentrale Elemente des uruguayischen Alltags, fast noch wichtiger als Mate-Tee, Asado, Fußball und José Artigas.

Die skeptischen Uruguayer sagen dazu: "Ich glaube nicht daran, aber was es gibt, das gibt es." ("Yo no creo, pero que las hay, las hay.") Soweit die Skeptiker. Die weniger Skeptischen, und das sind grob geschätzt mindestens zwei Drittel der uruguayischen Bevölkerung, konsultieren regelmäßig Hellseher, Geistheiler und Voodoo-Priester, was nicht heißt, daß die "Skeptiker" das nicht auch täten, gelegentlich...

Die meisten Einwanderer und Besucher Uruguays aus der nördlichen Hemisphäre interessiert dieses Thema wahrscheinlich herzlich wenig. Schließlich ist man ja ein aufgeklärter und moderner Mensch, der 'primitive' Anschauungen wie Naturreligionen und Aberglauben evolutionstechnisch weit hinter sich gelassen hat.

Der Autor dieses Artikels, ich, kam 1992 mit einem absolut klaren Weltbild nach Uruguay, das von (Natur)Wissenschaft, Logik und gesundem Menschenverstand geprägt war. Dieses Weltbild wurde hier durch konkrete Erfahrungen gründlich aus den Angeln gehoben, oder, um es positiv zu formulieren: Es wurde erweitert - mit der Brechstange, denn ich habe um diese 'Erweiterungen' nicht gebeten. Mir wäre mein klares, einfaches und rationales Weltbild von vorher lieber gewesen.

Herkunft und Wesen der Umbanda-Religion

Umbanda ist eine brisante Mischung aus afrikianischer Naturreligion, indianischem Schamanismus, katholischem Heiligenkult, spiritistischen Praktiken (v.a. nach Alain Kardec) und einigen metaphysischen Lehren (v.a. nach Conny Méndez). Entstanden ist die Umbanda im kulturellen Schmelztiegel Brasiliens, im Umfeld der afrikanischen Negersklaven bzw. deren Nachkommen, wo all die erwähnten Elemente zusammen kamen und einen idealen Nährboden für die Entstehung einer solchen Religion bildeten.

1908 entstanden (s.u.), hat sich die Umbanda-Religion Anfang des 20. Jahrhunderts in den städtischen Zentren Südostbrasiliens etabliert und dann von dort aus in der ganzen Region ausgebreitet. Das heutige Zentrum der Umbanda-Religion und verwandter Kulte ist das brasilianische Bahía, aber Uruguay steht dem, was die Durchdringung der Bevölkerung mit diesem Kult angeht, nicht weit nach.

Nach umbandistischem Selbstverständnis hat das Geistwesen "Sieben Kreuzzüge" (Caboclo "Siete Encrucijadas") über sein Medium Zélio Fernandino de Moraes am 15. 11. 1908 in Río de Janeiro der Menschheit die Prinzipien der Umbanda-Religion durchgegeben.

Das Wort "Umbanda" kommt nach dem Selbstverständnis dieser Glaubensrichtung aus dem Sanskrit und bedeutet in etwa "Göttliches Prinzip", "Verbindung mit Gott", so der erste spiritistisch-umbandistische Kongreß ("Primer Congreso de Espiritismo de Umbanda"), veranstaltet im Oktober 1941 in Río de Janeiro.

Die Essenz der umbandistischen Praxis...

...sind

Voodoo und Umbanda: dieselben Wurzeln

In Lateinamerika und der Karibik gibt es verschiedene Kultformen afrikanischen Ursprungs. "Voodoo", "Santería", "Batuque", "Candomblé", "Umbanda", "Macumba" usw. sind nichts weiter als verschiedene Ausdrucksformen von Ein und Demselben (siehe z.B. www.macumba.de). All diese Kulte haben ihren Ursprung, ihre tiefste Wurzel in der Religion der Yoruba, eines westafrikanischen Volksstammes mit Hauptsiedlungsgebiet im heutigen Nigeria, und das heißt: im Voodoo (vgl. dazu die Wikipedia-Einträge über die Religion der Yoruba und Voodoo).

Die 'schwarze Linie' der Umbanda wird "Kimbanda" genannt (auch "Quimbanda"), was zu übersetzen ist mit Satanskult und schwarze Magie, mit der für nicht legitime Ziele gearbeitet wird. Zur Kimbanda bekennt sich natürlich niemand, denn gemäß ihrer Selbstdarstellung sind alle Umbanda-Priester/innen selbstverständlich 'weiß', d.h. sie arbeiten für das 'Gute'.

Spontan fragt man sich natürlich, wie eine so 'gute' Religion wie die Umbanda überhaupt eine 'schwarze' Linie haben kann? Kann man sich beispielsweise eine 'schwarze Linie' des Buddhismus vorstellen?

Die Ausbreitung der Umbanda-Religion in Uruguay

Umbanda ist Volkskultur

Die Umbanda ist mit der uruguayischen Gesellschaft und ihren Menschen auf das Engste verwoben. Der mit zahlreichen Heiligen und Marien-Jungfrauen hier nach wie vor prosperierende Katholizismus steht dazu nicht im Gegensatz, sondern bildet eher eine Art Nährboden für diese Art von Kult.

Die Umbanda steht in engster personeller und kultureller Verbindung mit den unzähligen Hellseher/innen und Geistheiler/innen, die es hier gibt und die von den Leuten hier als etwas vollkommen Normales angesehen werden, ebenso wie mit dem "Candombe" und dem schwarzen Karneval.

Es gibt hier keinen Häuserblock und keinen Straßenzug, in dem nicht mindestens ein Hellseher und/oder ein Geistheiler (in der Mehrzahl sind es Frauen) wohnen. Diese Leute stehen hier in hohem Ansehen und werden von Angehörigen aller sozialen Schichten konsultiert, auch von erfolgreichen Unternehmern und Regierungsmitgliedern.

Ein uruguayischer Freund von mir ist, als er eine seiner Wahrsagerinnen aufsuchte, dort dem damaligen Präsidenten Jorge Batlle begegnet. Dies nur als Beispiel.

Radiosender, vor allem auf Mittelwelle, sind Abend für Abend, Nacht für Nacht voll von Gurus und Hellsehern, die munter ihre Audienz beglücken. Das nationale Fernsehen, Ukw-Radiosender und Zeitungen bringen unverdrossen Werbung für 0900-Tarotnummern und Ähnliches. Tageshoroskope gehören für jedes Morgenjournal zum guten Ton. Nicht zu vergessen die Talkshows, wo Pais und Mães (= männliche bzw. weibliche Umbanda-Priester/innen) sich die Klinke in die Hand geben, zusammen mit anderer Prominenz.

Foto: Umbanda-Priester (Pai de Santos), Uruguay.    Foto: Umbanda-Priesterin (Mãe de Santos), Uruguay.

Fotos: Umbanda-Priester (Pai de Santos) und Umbanda-Priesterin (Mãe de Santos), Uruguay.

Natürlich braucht man kein Hochschulstudium zu absolvieren, um Umbanda-Priester/in zu werden. Die meisten Umbanda-Priester/innen sind 'einfache' Leute wie Sie und ich und haben normale Zivilberufe. Von 9.00 bis 17.00 Uhr sind sie beispielsweise Rezeptionistin oder Postbote, und ab 18.00 Uhr dann Pai bzw. Mãe de Santos.  Die Männer (Pais) wirken meist kumpelhaft wie 'Ede von der Würstchenbude', die Frauen (Mães) sind nicht selten matronenhafte Figuren, die aussehen als könnten sie keiner Fliege etwas zuleide tun.

Dabei gibt es die verschiedensten Arten von Wahrsager/innen: Kartenleger (die meist mit unterschiedlichen Decks und Techniken des Tarot arbeiten) und Astrologen sind die am häufigsten vertretenen. Daneben gibt es aber u.a. auch Handleser, Kaffeesatzleser, Deuter von Muschelorakeln, Engelskundler und Hellseher, die einfach so 'sehen', ohne Hilfsmittel.

Nur Interpretatoren des Vogelflugs (wie im antiken Rom) und Deuter von Runenorakeln sind mir hier noch nicht untergekommen.

Ebenso breit wie die Palette der Wahrsager sind die Erscheinungsformen der Geistheiler und Schamanen.

Nicht alle Wahrsager und Geistheiler sind Umbandisten, aber ein Großteil davon gehört zu dieser Religion oder zumindest zu deren Umfeld, und viele Pais und Mães betätigen sich auch selbst als Wahrsager und Geistheiler.

Foto: Eine Umbanda-Priesterin (Mãe de Santos) als Kartenlegerin.

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Bild: Eine Umbanda-Priesterin (Mãe de Santos) als Wahrsagerin (Kartenlegerin).

Diesen Teil des Lebens in Uruguay sieht man nicht, wenn man nicht genau hinschaut bzw. darauf gestossen wird. Aber Sie können fast sicher sein, daß der Taxifahrer, der Tankwart, der Gemüsehändler, die Spanischlehrerin, die Putzfrau, die Supermarktkassiererin, der Notar und die Maklerin (usw.) ihren Pai oder ihre Mãe haben bzw. ihre/n Wahrsager/in.

Anmerkung: Auch die westlichen Regierungen konsultieren Astrologen, Medien und dergleichen. Der Enkel der Hausastrologin der Regierung Adenauer wohnt hier in Uruguay. Er ist ein Bekannter von mir. Und die US-Regierung ließ, bevor sie den Irak angreifen ließ, die Raketenziele durch spirituelle Medien erforschen. Dies nur als zwei Beispiele. Daß derartige Dinge in der Öffentlichkeit nicht bekannt sind, heißt nicht, daß sie nicht existieren.

Die Anfänge mit Mãe Teta

Der Umbanda-Kult begann ab 1940 von Brasilien nach Uruguay einzusickern, und zwar über die Grenzstadt Rivera. Als die Person, die die Umbanda nach Uruguay brachte, gilt Mãe Teta (* 1908 † 1998), eine Afrobrasilianerin, geboren als Hipólita Osorio Lima in Sant'Ana do Livramento, der brasilianischen Nachbarstadt des uruguayischen Rivera, nur durch eine Straße getrennt, die die Staatsgrenze markiert.

Schon als kleines Mädchen soll Hipólita prophetische Träume und Visionen von Ereignissen gehabt haben, die dann später eintraten. Ihr Spitzname Teta leitet sich aus dem brasilianisch-portugiesischen "Pateta" ab, was soviel heißt wie "plem-plem". Die Leute hielten sie für nicht ganz normal...

Foto: Mãe Teta (Iyalorixá) in Trance mit ihrem Caboclo (s.u.), dem "Cacique Timbauba".

Foto: "Iyalorixá" Mãe Teta 1930 in Trance mit ihrem Caboclo (s.u.), dem "Cacique Timbauba".

Zuerst war Teta ein kardequistisches, spiritistisches Medium. Ab den 40er Jahren tendierte sie dann zunehmend zur Umbanda, initiiert durch ihren Schwager, wobei der Hauptunterschied nur darin bestand, daß sie nun als Medium andere Wesenheiten inkorporierte, nämlich alte Neger ("Prêtos Velhos") und Indios ("Caboclos"), die Geistwesen der Umbanda. Das spiritistische Zentrum, in dem sie ihre Sitzungen abhielt, lag fast auf der Grenzlinie zu Uruguay, und nicht wenige ihrer Schüler/innen kamen von der 'anderen Seite', also aus Uruguay.

Anfänglich breitete sich der Umbanda-Kult in Uruguay fast ausschließlich innerhalb der schwarzen Minderheit aus (ca. 6% der Gesamtbevölkerung). Ende der 50er Jahre erreichte die Umbanda dann Montevideo.

Am 23. April 1963, dem Namenstag von "San Jorge" ("Heiliger Georg"), einem wichtigen Heiligen der "Religión" (= Umbanda), synkretistisch vom Katholizismus importiert, fand die erste öffentliche umbandistische Veranstaltung auf uruguayischem Territorium statt, eine Prozession zu Ehren von "San Jorge", und zwar an der Quelle bzw. dem Ausgangspunkt, der Grenzstadt Rivera und der brasilianischen Schwesterstadt, Sant'Ana do Livramento, organisiert von den Leuten um Mãe Teta.

Der Uruguayer Armando Ayala (s.u.) war damals auch schon mit dabei. Ziel der Aktion war es, das Ansehen der Umbanda zu verbessern, die schon damals im Ruf von Hexerei und schwarzer Magie stand.

Schon zu dieser Zeit gab es allein in Sant'Ana do Livramento und Rivera rund 50 umbandistische "Templos" ("Tempel").

Darunter darf man sich allerdings nichts Bombastisches vorstellen mit Marmorsäulen oder vergoldeten Kuppeln. Ein umbandistischer "Templo" ist einfach ein von seinem Betreiber entsprechend den vorhandenen Möglichkeiten hergerichteter Ort, mehr oder weniger groß, mehr oder weniger feierlich und luxuriös. Er enthält jedoch immer einen umbandistischen Altar und die entsprechenden Heiligenfigürchen und -Bilder.

Bildergalerie: Umbandistische Tempel

Foto: Heiligenfiguren und Opfergaben in einem umbandistischen Tempel.

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Fotos: Heiligenfigürchen und Opergaben in umbandistischen Tempeln ("Templos"). Alles sieht so bunt und harmlos aus.

Foto: Heiligenfiguren und Opfergaben in einem umbandistischen Tempel.

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Foto: Heiligenfiguren und Opfergaben in einem umbandistischen Tempel.

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Damals fingen die Umbandisten auch an Schönheitswettbewerbe zu veranstalten (was in Uruguay immer gut ankommt) und Geburtstags- und Hochzeitsfeiern u.a.m. zu organisieren. D.h. sie diversifizierten ihr Marketing und Produktmanagement. Außerdem wurden die umbandistischen Sitzungen schon damals von Trommeln und Musik begleitet, was ihnen einen Happening-Charakter verlieh, vor dem eine katholische Messe schlichtweg verblassen mußte.

1968 entstand die erste -informelle- umbandistische Vereinigung in Uruguay, die "Asociación Templo Evangélico Espiritual Umbandista 'Menino Deus'" (ATEEUMD). 1974 begannen die Umbandisten öffentliche Veranstaltungen und Meetings durchzuführen. Ende der 70er Jahre fand das erste Treffen umbandistischer Führer statt, als Versuch zu einer Einheit zu gelangen.

Ab Mitte der 80er Jahre, nach der uruguayischen Militärdiktatur (1973-1985), ging es mit der Bewegung dann richtig aufwärts. Von nun an war die Umbanda in zunehmendem Maße auch in den etablierten uruguayischen Massenmedien präsent, vor allem mit ihrem traditionellen Fest vom 2. Februar zu Ehren der Meeresgottheit "Yemanjá" (auch Yemanjha, Yemanha, Jemanha, Emanjá, Yemojá, Jemanjá, Iemanjá u.a.m.), mit bunten, 'folkloristischen' Fotos und Berichten auf den Titelseiten der Zeitungen und in den Fernsehnachrichten.

Bild: Yemanjá, Göttin des Meeres und der Fruchtbarkeit, die höchste weibliche Umbanda-Gottheit.   Bild: Umbanda-Göttin Yemanjá, die höchste weibliche Umbanda-Gottheit.

Bilder: Darstellungen von Yemanjá, der umbandistischen Meeres- und Fruchtbarkeitsgöttin und höchsten weiblichen Gottheit der Umbanda-Religion.

Preisfrage: Mit welcher "Gottheit" würden Sie lieber träumen? Mit der römisch-katholischen "Jungfrau María", die ihren Filius nach "unbefleckter Empfängnis" gebar, oder mit der umbandistischen Yemanjá, die, naja..., also, die... (ähem)?

Der 2. Februar, Mariä Lichtmeß im römisch-katholischen Kalender, ist der höchste Feiertag der Umbanda-Religion und der Meeresgöttin Yemanjá gewidmet, der höchsten weiblichen 'Gottheit' dieser Glaubensrichtung, im Synkretismus der Jungfrau Maria gleichgesetzt. An diesem Tag treffen sich die Umbandisten abends am Strand, huldigen ihrer Göttin, bringen ihr Geschenke und Opfer dar und übergeben diese zum Abschluß der Feier, verbunden mit Bitten und Wünschen, dem Meer.

Durchbruch und Etablierung der Umbanda unter Armando Ayala

1985 wurde die erste umbandistische Vereinigung Uruguays, ATEEUMD, mit Rechtspersönlichkeit ausgestattet - ebenfalls ein Ausdruck des Fortschreitens der "Religión". Deren Präsident und zentrale Figur der umbandistischen Bewegung in Uruguay von seinen frühen Jugendjahren bis zu seinem Tod war "Babalorixá" Armando Ayala (* 1944 † 10. 3. 2004), der sich auch "Armando de Oxanguían" nennen ließ oder schlicht "Pai Armando".

"Babalorixá" ist -lt. Lexikoneintrag- "letzter Einweihungsgrad, hoher Priester der Yoruba" (sic!; die weibliche Form ist Iyalorixá). "Oxanguían" ist eine Erscheinungsform der obersten Umbanda-Gottheit, Oxalá. "Pai de Santos" oder einfach "Pai" werden die männlichen Priester der Umbandareligion genannt. Die Priesterinnen heißen "Mãe de Santos", Kurzform: "Mãe".

Armando Ayala war zu seinen Lebzeiten auf allen Ebenen in der uruguayischen Gesellschaft präsent. Neben Büchern, die er publizierte, und Veranstaltungen und Kongressen, die er organisierte, war er geladener Gast in beliebten Talkshows und hatte auch seine eigenen Radio- und Fernsehsendungen.

Bildergalerie: Armando Ayala

Foto: Armando Ayala 2001 bei einem gesellschaftlichen Event.  Foto: Armando Ayala 2003 beim Interpretieren des Muschelorakels im linken Kabel-TV-Sender TV Libre.  Foto: Armando Ayala 1999 in seinem Programm Raices Afro bei TCC.

Foto links: Armando Ayala 2001 bei einem gesellschaftlichen Event.  -  Foto Mitte: Armando Ayala 2003 im 'linken' Kabel-TV-Sender "TV Libre" beim Interpretieren des Muschelorakels (span. "Bucios").  -  Foto rechts: Armando Ayala 1999 bei einer Produktion seines Programms "Raíces Afro" bei TCC (Kabel-TV).

Foto: Armando Ayala 2002 in der beliebten Show del Mediodía mit Showmaster Cacho de la Cruz.  Foto: Der uruguayische Umbandist Armando Ayala mit Yoruba-Priestern.  Foto: Armando Ayala 1988 im Radio-Studio CX40.

Foto links: Armando Ayala 2002 während eines seiner Auftritte in der Mainstream-"Show del Mediodía" mit dem uruguayischen Star-Showmaster Cacho de la Cruz.  -  Foto Mitte: Armando Ayala 1990 mit einigen Yoruba-Priestern in Afrika, von denen er im Juli jenes Jahres zum "Babalorixá" gemacht wurde ('Priesterweihe').  -  Foto rechts: Armando Ayala in jungen Jahren (1988) im Radio-Studio CX40. Wie ein 'alternativer' Wonnebrocken sieht er da aus.

Foto: Armando Ayala 1963 bei seiner Taufe bei Mãe Teta.

Foto: Auf dieser Aufnahme vom 24. Juni 1963 ist Armando Ayala im Tempel von Mãe Teta zu sehen bei einer umbandistischen Taufe, wahrscheinlich seiner eigenen. Er war damals 18 oder 19 Jahre alt (Quelle: hier).

1989 wurde die "Erste Internationale Konferenz Afroumbandistischer Kultur“ in Montevideo abgehalten (23.-25. Juni), neben anderen öffentlichen Aktivitäten. So wurde in diesem Jahr z.B. auch der erste Umbanda-Film im Montevideaner Programmkino "Cinemateca" gezeigt: "El Amuleto de Ogún".

Am 16. November 1994 wurde ATEEUMD zum umbandistischen Dachverband "Federación Afro-Umbandista del Uruguay" (FAUDU) erweitert, wieder unter dem Vorsitz von Ayala, den die uruguayische Tageszeitung "La República" in einem Nachruf als "Einführer der Kimbanda (sic!) in Uruguay" bezeichnete (La República v. 11. 3. 2004).

Die Statue der Yemanjá in Montevideo und ihre Fiesta vom 2. Februar

Spätestens ab den 90er Jahren hat die Umbanda dann die gesamte uruguayische Gesellschaft durchdrungen. Ein Ausdruck davon ist die Einweihung der Yemanjá-Statue am 2. Februar 1994 (im Jan. 1988 beantragt, im Juli 1993 genehmigt) an keinem geringeren Ort als direkt neben dem Parkhotel des Rodó-Parks, gegenüber der Playa Ramírez, und unter Teilnahme von keinem Geringeren als Tabaré Vázquez, damals Oberbürgermeister (Intendente) von Montevideo (1990-1994) und späterer Präsident der Republik (2005-2010), nebst anderer hochrangiger Prominenz aus dem In- und Ausland - und natürlich auch Pai Armando Ayala, dem gesitigen Vater des Ganzen, der sogar die Statue selbst angefertigt haben soll.

Erläuternde Anmerkungen: Das Parkhotel, eingeweiht am 30. Dezember 1909, ist seit 15. Mai 1997 der politische Sitz des Mercosur; der Rodó-Park ist die zentrale Grün- und Freizeitanlage im Südteil Montevideos; und die Playa Ramírez ist einer der feinsten Stadtstrände der Kapitale.

Ungefähr 150.000 Umbandisten und Schaulustige nahmen an dem Ereignis teil, inklusive mir.

Ich arbeitete damals als professioneller Fotograf und wollte einige Fotos von dem Event machen, zu dem ich aus Neugierde hingegangen war. Doch was für eine Überraschung: Obwohl ich mit der gleichen Ausrüstung wie immer gearbeitet habe, mit der gleichen Kamera (meiner geliebten Nikon), dem gleichen Blitzgerät, den gleichen Negativfilmen wie immer - wurden alle meine Aufnahmen 'schwarz', wie ausgelöscht. Nicht eine einzige war etwas geworden...

Wenn ich Ihnen jetzt sage, daß ich mit meinen eigenen Augen unter den "Geschenken", die Yemanjá an diesem angenehmen Sommerabend in Montevideo dargebracht wurden, Särge in Originalgröße auf dem Río de la Plata schwimmen sah, was würden Sie dann von dieser netten, 'folkloristischen' Versammlung halten, die solche 'frommen' Wünsche auf den Weg brachte? Alles liebe Leute, nicht wahr, und was für eine 'gute Energie'?! Jetzt fehlt nur noch, daß die Unesco so etwas 'Authentisches' zum "Kulturerbe der Menschheit" erklärt.

In den Folgejahren ging es in diesem Stil weiter. 2008 zum Beispiel war einer der Hauptredner der Yemanjá-Fete der neue Intendente Ricardo Ehrlich, ebenfalls vom Frente Amplio, genau wie Tabaré Vázquez. Ehrlich enthüllte bei dieser Gelegenheit eine Gedenktafel zu Ehren der Umbanda-Gottheit. Anlaß dafür waren "90 Jahre Religionsfreiheit" in Uruguay...

Der Tag von Yemanjá war am 11. Januar 2008 vom uruguayischen Kulturministerium zum "Tag nationalen kulturellen Interesses" erklärt worden. Am 24. Januar folgten das Tourismusministerium und die Stadt Montevideo (Intendencia Municipal), die den Tag 'angesichts seiner wachsenden Bedeutung' zum Tag "touristischen" bzw. "städtischen Interesses" deklarierten.

Auch dieses Jahr, 2009, konnten die Yemanjá-Feierlichkeiten wieder auf die Präsenz von Intendente Ricardo Ehrlich zählen. Man kann wirklich nicht sagen, die Umbanda würde hier eine Schattenexistenz führen.

Bilder von der "Fiesta der Yemanjá" in Montevideo, 2008 und 2009

Statue der Yemanjá in Montevideo, Playa Ramírez, und Gläubige.

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Foto: Die Statue der Yemanjá an der Rambla von Montevideo, gegenüber der Playa Ramírez und neben dem politischen Sitz des Mercosur (Ex-Parkhotel).

Opfergaben für die Meeresgöttin Yemanjá, Montevideo.

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Foto: Keine Mühen werden gescheut, um Opfergaben und Geschenke für Yemanjá vorzubereiten. Hier übergibt eine Mãe de Santos ihr Arrangement dem Río de la Plata.

Opfergaben für die Meeresgöttin Yemanjá, Montevideo.

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Foto: Opfergaben und Geschenke für die Meeresgöttin Yemanjá.

Bild: Fiesta der Umbanda-Gottheit 'Yemanjá' in Montevideo, Februar 2008.

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Foto: Hunderttausende wenn nicht gar Millionen versammeln sich am Tag der Yemanjá an den Stränden Uruguays. Hier eine Aufnahme von der Playa Ramírez in Montevideo vom 2. Februar 2008.

Bild: Fiesta der Umbanda-Gottheit 'Yemanjá' in Montevideo, Februar 2008.

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Foto: Geschenke und Opfergaben für Yemanjá.

Bild: Fiesta der Umbanda-Gottheit 'Yemanjá' in Montevideo.

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Foto: Ein leeres Boot am nächsten Morgen.

Bild: Fiesta der Umbanda-Gottheit 'Yemanjá' in Montevideo, Februar 2008.

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Foto: Nur der Kaufrausch vor Weihnachten mobilisiert mehr 'Gläubige'.

Bild: Fiesta der Umbanda-Gottheit 'Yemanjá' in Montevideo, Februar 2008.

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Fotos oben und unten: Um ihre Gaben der Meeresgöttin zu darzubringen, waten die Menschen in's Wasser.

Bild: Fiesta der Umbanda-Gottheit 'Yemanjá' in Montevideo, Februar 2008.

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Opfergabe für die Meeresgöttin Yemanjá, Montevideo.

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Foto: Opfergaben und Geschenke für Yemanjá.

Foto: Opfergaben für die Meeresgöttin Yemanjá, Montevideo.

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Fotos oben und unten: Umbanda-Priesterinnen bereiten ihre Gaben für Yemanjá vor.

Bild: Opfergaben und Geschenke für die Meeresgöttin Yemanjá, Montevideo.

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1998 erhielt der Luxus-Badeort Punta del Este seine Yemanjá-Statue.

Das Erfolgsrezept der Umbanda

Während sich die großen Weltreligionen mit dem Seelenheil und letzten Sinnfragen beschäftigen, befaßt sich die Umbanda mit den konkreten Alltagsproblemen der Leute. Ein katholischer Priester kann auf die allermeisten Anliegen und Fragen seiner Schäfchen keine brauchbaren Antworten geben, sondern nur Gebet und Buße empfehlen - einmal ganz abgesehen davon, daß wir nach dem Katholizismus alle a priori 'Sünder' ("Erbsünde"!) und alles irgendwie Menschliche per se 'Schwächen' und etwas Schlechtes, um nicht zu sagen 'Böses' sind.

Bild: Umbanda-Priesterin (Mãe de Santos).

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Bild: Umbanda-Priesterin (Mãe de Santos). Da kann ein jungfräulicher (Zölibat!) katholischer Pfarrer glatt einpacken.

Da ist die Umbanda ganz anders (wertungsfrei gemeint: nicht besser, sondern anders). Hier wird der Mensch so genommen, wie er ist, und nicht von vornherein für schuldig befunden. Die menschlichen Befürfnisse, egal welcher Art, werden Ernst genommen und zu befriedigen versucht. "Du hast keine Arbeit? Dann werden wir da mal was machen." "Dein Mann geht fremd?" "Dir graut vor dem Examen nächste Woche?" "Deine Mutter liegt im Krankenhaus?" "Dein Chef nervt Dich?" "Du möchtest gerne mit Deiner Nachbarin schlafen?"

Der Pai / die Mãe haben für alles Verständnis und können für oder gegen alles und jeden etwas machen. Zumindest behaupten sie das. (Und manche können auch tatsächlich etwas...)

Man muß den Pai / die Mãe de Santos nur bezahlen und die für die "Arbeiten" ("Trabajos") benötigten Elemente besorgen oder beschaffen lassen: Opfertiere wie Hühner, Katzen, Kröten oder einen Ziegenbock, persönliche Gegenstände der in die Wünsche involvierten Personen wie Kleidungsstücke, Haare, Ausweise, Schriftproben und/oder Fotos, weitere Ingredienzen wie Tabak, Schnaps, Wein, Kerzen, Früchte, Getreide, Blumen – ja nachdem. Der Pai / die Mãe macht dann ein Ritual damit, und manchmal tritt das gewünschte Ergebnis ein...

Eine einfache Art der 'Konfliktlösung'

"Macumba" wird in Uruguay eine Hexerei eines Umbanda-Priesters oder Priesterin genannt, und "macumbear" ist ein in diesen Breitengraden geprägtes, sehr gängiges Wort für 'jemand etwas anhexen'. Eine Macumba wird auch oft schlicht nur "Arbeit" ("Trabajo") genannt. Wenn Sie also hier hören, daß jemand ein "Trabajo" gemacht hätte, können Sie nicht davon ausgehen, daß damit etwas Anständiges gemeint ist.

Foto: Umbanda-Tempel nach einem 'Trabajo'.

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Foto: Umbanda-Tempel nach einem "Trabajo". Hier wurde getötet. Alles ist blutverschmiert.

Und wo wir gerade dabei sind: Wenn hier von "Religión" ("Religion") die Rede ist, ist nur eine einzige damit gemeint, und nur eine: die Umbanda - ein weiteres Indiz für die tiefe Verwurzelung der Umbanda im Leben und Alltag der Leute.

Macumba ist im Leben der Uruguayer eine alltägliche Realität wie das Frühstück oder der Gang auf die Toilette. Ihre Existenz ist für die Menschen so selbstverständlich wie die Tatsache, daß morgens die Sonne aufgeht.

Und es ist ja auch (vermeintlich) so einfach: Man gibt dem Pai oder der Mãe, was sie haben wollen, geht auch zu einigen von deren Gottesdiensten oder Meetings in deren "Tempel", läßt sich spirituell "reinigen" ("Limpieza") und "die Wege öffnen" ("Apertura de caminos") etc. Das klingt ja auch alles ganz nett, und die Leute haben das Gefühl etwas für sich zu tun.

Man selbst braucht sich nicht anzustrengen und auch nicht zu ändern. Man muß sich nicht mit unliebsamen Situationen und/oder Personen konfrontieren. Man muß sich mit nichts und niemand auseinandersetzen. Man muß nicht handeln. Man muß nicht Farbe bekennen. Man muß keinen Mut aufbringen. Man kann einfach zuhause sitzen und seinen Mate oder Whisky trinken (das zweite uruguayische 'Nationalgetränk'). Die Pais und Mães regeln alles für einen für ein bischen Geld.

So kann man immer freundlich bleiben, auch seinen Gegnern gegenüber, immer cool und gelassen. Probleme werden nicht ausdiskutiert oder irgendwie wirklich gelöst. Man geht zum Pai, zur Mãe, und die nehmen dann für einen Rache. (Denn darum geht es meistens...)

Beliebte Ziele der Macumbas sind Erkrankung, finanzieller Ruin, Tod oder Impotenz der Konfliktgegner. Die die Auftraggeber/innen bewegenden Motive sind meist materieller und/oder sexueller Natur.

Jetzt lächeln Sie wahrscheinlich über alle Backen und denken sich: "Das ist doch alles Cololores!" Doch leider, leider, leider sind Sie damit schief gewickelt. Leider, leider, leider funktionieren diese Macumbas, zumindest manchmal.

Geisterwelt und Spiritismus der Umbanda

Wichtige und mit die zugkräftigsten Elemente der umbandistischen Praxis sind spiritistische Praktiken wie die Invokation der eigenen Ahnen ("Egum") sowie die Beschwörung und Inkorporation von Geistwesen, damit diese einen 'beraten'.

Bei einer solchen Zeremonie drehen sich die zu inkorporierenden Schüler/innen des Pai oder der Mãe zu Trommelmusik in gebückter Haltung im Kreis. Mit einer Hand halten sie das Ohr der anderen Körperhälfte gefaßt, der freie Arm ist auf den Boden bzw. die eigenen Zehenspitzen gerichtet. Weihrauch und andere betörende Düfte erfüllen den Raum, der geschmückt ist mit farbenfrohen 'Heiligen'bildern und -Figuren.

Die Szenerie wird dann immer ekstatischer, die Trommeln werden schneller, die Drehbewegungen rascher, und irgendwann fällt dann der erste Tänzer zu Boden – nicht, weil ihm schwindelig wurde, wie Sie jetzt vielleicht spontan denken mögen, sondern weil ein Geistwesen von seinem Körper Besitz ergriffen hat. Das sagen zumindest die Umbandisten. Später gehen dann weitere Tänzer/innen zu Boden.

Die Geistwesen, die sich hier lebende Körper ausleihen, sind meist "Prêtos Velhos", wie sie genannt werden, "alte Schwarze". Diese findet man in den verschiedensten Naturreligionen Afrikas. 'Bekannte' Prêtos Velhos sind z.B. Papa Legba, Papa Rei Congo und Tatá de Angola. Daneben gibt es noch die indianischen Geistwesen, "Caboclos", und die mediterranen, "Ciganos" genannt. Letztere spielen in der Umbanda jedoch kaum eine Rolle.

Einmal inkorporiert, können sich die Anwesenden (die 'Kirchengemeinde', wenn Sie so wollen) mit den Geistwesen unterhalten, bzw. diese gehen von sich aus auf bestimmte Anwesende zu, um ihnen Ratschläge zu erteilen und Fragen zu beantworten. Die inkorporierten Wesenheiten reden dabei meist ein nuscheliges, fast unverständliches Kolonial-Portugiesisch und benutzen eine sehr zotige Sprache. Vermeintlich sind die Wesenheiten ja Seelen alter Afrikaner oder Indios aus der Kolonialzeit, die noch hier in Erdnähe verweilen, um bedürftigen Menschen zu helfen.

Die 'Geistwesen' nutzen ihren geliehenen menschlichen Körper auch dazu, um Unmengen von Alkohol zu trinken und zu qualmen wie die Schlote. Das in Uruguay geltende Rauchverbot für öffentliche, geschlossene Räume hat die Umbanda-Tempel noch nicht erreicht. Erstaunlich ist, daß die Medien, wenn die 'Geistwesen' ihre Körper wieder verlassen haben, nicht betrunken sind...

Der Götterolymp der Umbanda

Die Umbanda ist eine polytheistische Religion, die christlich verkleidet daher kommt. Der umbandistische Olymp ist bevölkert mit den alten Gottheiten der Yoruba, den Orixás, die in christlicher Camouflage auch gerne als Heilige ("Santos") präsentiert werden (Jesus, Maria u.a.m.).

Der oberste umbandistische Gott, Olorum (auch Deus genannt, wie der christliche Gott im Lateinischen), ist allmächtig, und der Kontakt zu ihm kann in der Regel nur über die Orixás erfolgen. Er manifestiert sich auch nicht durch Medien, wie die Orixás, da seine Energie so groß ist, daß es für ein menschliches Medium zu gefährlich wäre, ihn zu inkorporieren. Er thront so weit über den Menschen und anderen Geistwesen, daß er nicht in umbandistischen Ritualen und Zeremonien angesprochen wird. Das heißt er existiert in der umbandistischen Glaubenswelt und deren kultischer Praxis nicht wirklich.

Hier eine Darstellung der umbandistischen Götterwelt aus Sicht der Umbanda selbst.

Die Umbanda im Mainstream-Kino

Werbeplakat für den Film 'Woman on Top' (2000) der venezolanischen Regisseurin Fina Torres, mit Penélope Cruz in der Hauptrolle.Über Kino à la Hollywood kann man alles Mögliche sagen, aber manchmal sind doch Filme dabei, die etwas Wichtiges über uns Menschen und die Welt, in der wir leben, zeigen. Man denke etwa an Oliver Stones "JFK" und andere Produktionen.

Die Umbanda hat es in einen Liebesfilm der bekannten venezolanischen Regisseurin Fina Torres geschafft, der seine Welturaufführung im Mai 2000 bei den Filmfestspielen in Cannes erlebte. "Woman on Top" erzählt die Geschichte der Meisterköchin Isabella, die zusammen mit ihrem Mann Toninho ein Restaurant in einem Fischerdorf im brasilianischen Bahía betreibt.

Isabella, meisterhaft gespielt von Penélope Cruz, wird ihr Leben zu eng. Während sie in der Restaurantküche ein Schattendasein führt, heimst ihr Mann vorne im Lokal die ganzen Lorbeeren ein. Als sie ihn dann noch mit einer Nachbarin im Bett überrascht, hat Isabella die Nase voll, verläßt ihren untreuen Gatten und das Dorf und geht nach San Francisco, um dort Karriere zu machen. Nach einigen vergeblichen Anläufen wird sie vom Produzenten der Live-Koch-Show "Passion Food" entdeckt und gelangt zu einem Riesenerfolg.

Um Toninho von sich fernzuhalten und ihr Herz gegen ihn zu stählen, konsultiert Isabella eine Mãe und bringt Yemanjá ein Opfer dar. Alles wird gezeigt, das Gespräch mit der Mãe, die Zubereitung des Opfers, dessen Versenkung im Meer.

Foto: Penélope Cruz in 'Woman on Top' mit einer Umbanda-Priesterin (Mãe de Santos).

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Foto: Isabella (Penélope Cruz, rechts) in "Woman on Top" (2000) mit ihrer Umbanda-Priesterin ("Mãe de Santos").

Und es zeitigt Wirkung!... Toninho seinerseits gerät ohne Isabella mit dem Restaurant in Schwierigkeiten und verflucht Yemanjá. Von diesem Tag an machen die Fischer des Orts keinen Fang mehr, wofür sie Toninho und seine 'Gotteslästerung' verantwortlich machen. Das ganze Dorf, alle, alle glauben daran. Die Umbanda ist ein essentieller und vitaler Bestandteil des Alltags.

Schließlich sieht Toninho seine Frau in einer ihrer TV-Shows, die auch in andere Länder übertragen werden, und fliegt nach San Francisco, um sie zu finden, was er auch schafft. Diese will Yemanjá noch einmal opfern, um Toninho fernzuhalten, aber, Happy End muß sein, diese verweigert eine zweite Gabe und gibt das erste Opfer zurück.

So endet das Ganze mit Isabella und Toninho in einem neuen Restaurant...

Die Umbanda-Religion: Ein Wolf im Schafspelz

Der Umbanda-Kult präsentiert sich als "authentisch", volksnah und "Religion der Liebe" und gibt sich ein folkloristisches Erscheinungsbild. Alles ist so nett und bunt und sieht so ganz und gar unschuldig aus...

Auch so mancher Europäer läßt sich leicht von den putzigen Heiligenfigürchen, den bunten Kleidern, den beeindruckenden Zeremonien und Ritualen, der 'Exotik' und der ach so 'authentischen' 'Ursprünglichkeit' der Umbanda blenden. So kann man z.B. auf der Homepage www.umbanda.de lesen, Umbanda sei "kein Glaube der Buße und Sühne", sondern die Werte der Umbanda seien "Liebe und Lebensfreude":

Das mag zwar die 'offizielle' Philosophie der Umbanda sein, deren Selbstdarstellung nach außen, aber ihre Praxis sieht vollkommen anders aus. In der Praxis geht es bei 90% der von umbandistischen Priester/innen durchgeführten "Arbeiten" um nichts Anderes als anderen Menschen Schaden zuzufügen.

Während die dominanten Weltreligionen (s. Karte der Weltreligionen -das Christentum (vor allem in seiner römisch-katholischen Variante), der Islam (insbesondere in seiner sunnitischen Ausführung) und das Judentum (die nach wie vor 'erfolgreichste' aller Weltreligionen; Christentum und Islam basieren zum Teil auf in der jüdischen Tora festgehaltenen Überlieferungen)- alle per Auftrag aus ihren jeweiligen "heiligen" Schriften die Welt erobern wollen bzw. sollen ("Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker", Mt. 28,19; "Machet euch die Erde untertan", 1 Mose 28, usw.), wirkt die Umbanda eher im familiären, nachbarschaftlichen und kollegialen Bereich.

Während der Katholizismus seine Menschenfeindlichkeit in der Geschichte bereits durch Kreuzzüge, Hexenverfolgung und Inquisition, Conquista, Religionskriege, Waffensegnungen aller Art und perverse Konzepte wie "Erbsünde", "Absolution" und "Zölibat" (um nur einige zu nennen) zur Genüge unter Beweis stellen durfte; während uns der Islam sein Potential zur Perversion tagtäglich vor Augen führen darf mit seiner Sharia-Gesetzgebung, seinen Selbstmord-Attentätern und Aufrufen zum "Dschihad" (= "Heiliger Krieg"); und während das Judentum seit Jahrtausenden erlaubt bzw. fordert, daß "Gojim" (= Nichtjuden) betrogen und ausgebeutet werden; kommt die afro-brasilianische "Umbanda" daher ohne einen neuen Auftrag zur Welteroberung - aber sie eröffnet den Krieg am heimischen Herd gegen die eigene Frau, den eigenen Mann, den Nachbarn, den Arbeitskollegen, den Freund - ganz unprätentiös.

Jetzt sagen Sie mal, was schlimmer ist?

Man darf nie der Selbstdarstellung einer Ideologie, Religion, politischen Partei oder was auch immer glauben, sondern muß immer hinter die Fassaden blicken. Diese Aufgabe erspart uns keiner, wenn wir ernsthafte Zeitgenossen sein wollen. 

Die Karte der Weltreligionen muß zumindest für Südamerika revidiert werden. Brasilien, Uruguay und große Teile Argentiniens sind nur formell katholische Länder. Faktisch befinden sie sich fest in der Hand der Umbanda und ähnlicher Naturreligionen.

Religion sollte ja eigentlich das Edelste und Nobelste des menschlichen Wesens repräsentieren, seine Spiritualität und Transzendenz, sein Streben nach dem Guten und nach Wahrhaftigkeit. Doch es scheint eher so zu sein, daß Religion das Schlimmste im Menschen zu Tage fördert.

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