Cabo Polonio wurde zum Nationalpark erklärtSeite drucken

Am Montag dieser Woche unterzeichneten Regierungschef Tabaré Vázquez und der uruguayische Umweltminister, Carlos Colacce, ein Dekret, durch das Cabo Polonio zum Nationalpark erklärt wurde.

Damit kam eine gemeinsame Initiative der Intendencia von Rocha und der drei Ministerien für Umwelt, Landwirtschaft und Tourismus nach einem langen Vorbereitungs- und Evaluationsprozeß, der Mitte 2006 begonnen hatte, zu einem positiven Abschluß.

Ziel ist es das schöne und einzigartige Ökosystem am Cabo Polonio mit seiner Felsenküste (auf der Halbinsel), den sich südwestlich und nordöstlich davon ausbreitenden wunderbaren Sandstränden, den hinter diesen liegenden Streifen mit Wanderdünen und die der Küste vorgelagerten Inseln mit ihrer großen Seelöwenkolonie in ihrem ursprünglichen, praktisch naturbelassenen Zustand zu bewahren und einen Teil davon einer kontrollierten touristischen Nutzung zuzuführen.

So mancher Investor hatten hier schon ein zweites El Arenal visualisiert, und so mancher Hippie ein neues Goa. Nun wird zum Glück aus beiden 'Projekten' nichts.

Cabo Polonio liegt an der Atlantikküste im Südosten des Departamentos Rocha, zwischen den Badeorten Valizas und La Pedrera, gut 260 km von der Hauptstadt Montevideo entfernt.

Luftaufnahme von Cabo Polonio, Departamento Rocha, Uruguay.

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Foto: Luftaufnahme der Halbinsel und des Orts Cabo Polonio, Departamento Rocha, Uruguay.
Das Ökosystem am Cabo Polonio

Das Gebiet am Cabo Polonio, das nun zum Nationalpark wurde, besteht aus

Der Nationalpark bei Cabo Polonio in GoogleEarth.

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Bild: Der neue Nationalpark bei Cabo Polonio in GoogleEarth. Wenn Sie das Bild vergrößern, können Sie die einzelnen Komponenten sehen.

Die Gesamtfläche des Gebiets beläuft sich auf rund 24.924 Hektar, inklusive Inseln und Küstengewässer, davon 4.670 Hektar Festland (132 Katasterparzellen), die sich über rund 18 km Küste erstrecken und von dieser bis zur im Schnitt ca. 5 km entfernten Ruta 10 "Juan Díaz de Solís" reichen, die die westliche Grenze des Gebiets darstellt.

Die Grenze im Norden markiert der Fluß Arroyo Valizas, die im Osten, natürlich, der Atlantik, und im Süden wird das Gebiet durch die Grundstücksparzelle Nr. 1.577 begrenzt, die noch zum neuen Nationalpark gehört.

Die drei Torres-Inseln "La Rasa" (2,1 ha), "La Encantada" (3,6 ha) und "El Islote" (1,8 ha) und die beiden Castillo-Grande-Inseln "Isla Seca" (3,7 ha) und "Isla del Marco" (4,3 ha) haben eine Gesamtfläche von 15,5 ha. Letztere, die "Isla del Marco", ist mit 32 m die 'höchste' aller uruguayischen Inseln.

Der 'Rest', 20.238,5 ha, wird von der Fünfmeilenzone Küstengewässer des Atlantik gebildet, die ebenfalls zu dem geschützten Gebiet gehört.

Das Gebiet beherbergt eine reiche Flora und Fauna mit über 200 Tierspezies (ohne Meeresbewohner) und vielen Pflanzenspezies zu Wasser und zu Land - und sage und schreibe 72 (!) Menschen, die hier permanent wohnen.

Das Dorf Cabo Polonio

Zu dem Dorf Cabo Polonio, das übrigens erst vor kurzem den Status "Dorf" zuerkannt bekam und das sich natürlich auf der gleichnamigen Halbinsel befindet, führen keine Straßen oder auch nur Wege! Es gibt auch keinen Anschluß an das öffentliche Stromnetz oder die Wasserversorgung, von asphaltierten Straßen ganz zu schweigen. Man kann die 7 oder 8 Kilometer von der Ruta 10 bis zu dem Ort durch die Dünen wandern, wenn man viel Zeit hat, oder sich von einem der bereitstehenden, autorisierten (!) Fahrzeuge mit Allradantrieb oder einem geländegängigen Pferdewagen transportieren lassen. 

Die Halbinsel und der Ort Cabo Polonio in GoogleEarth.

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Bild: Die Halbinsel und der Ort Cabo Polonio in GoogleEarth: Ein paar Hütten auf einem Felsplateau am Atlantik...

Ständig wohnen hier bisher nur Fischer, ein paar Handwerker und das Personal des Leuchtturms - insgesamt 72 Personen.

Das Dekret und seine Auswirkungen

Durch das neue Dekret sind nun in dieser Gegend jede Art von Bergbau, archäologische Grabungen, Müllverklappung, die Einbringung neuer Tier- oder Pflanzenspezies, kommerzielle Fischerei und die Emission von Lärm verboten. Die erwähnten Seelöweninseln dürfen von Menschen nur zu behördlich autorisierten Forschungszwecken betreten werden.

Außerdem darf am Strand, auf dem Dünenstreifen und auf dem Felsplateau nicht gebaut werden. Bereits bestehende Häuser und Bauwerke müssen sich den neuen Regeln unterordnen, die vom Ministerium noch in Rücksprache mit den Anwohnern ausgearbeitet werden, unter Anstrebung eines Konsens'. Einige bereits bestehende Bauten und Hütten werden wohl der neuen Realität weichen müssen, wie der Beauftragte für Landschaftsentwicklung von Rocha, Antonio Graña, verlauten ließ.

Die Gegend soll auch weiterhin nicht elektrifiziert werden und in ihrem fast 'wilden', ursprünglichen Zustand bleiben.

In einer bestimmten, noch zu definierenden Zone sollen touristische Aktivitäten explizit erlaubt werden, und die dafür benötigten Anlagen sollen hier auch gebaut werden dürfen.

Ein Hotelsilo-Projekt direkt am Strand oder auch nur in Sichtweite davon dürfte jedoch von vornherein bei den Behörden chancenlos sein - zum Glück!

Detaillierte Normen und Ausführungsbestimmungen zu dem Dekret werden noch erarbeitet.

Cabo Polonio wird als Touristenziel immer beliebter. Wer dort jetzt schon ein Häuschen, eine kleines Restaurant oder Hotel o.ä. hat, besitzt nun eine Goldgrube.

Ortsschild von Cabo Polonio, Departamento Rocha, Uruguay. So weiß man gleich, wo man ist.

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Foto: Ortsschild von Cabo Polonio, Departamento Rocha, Uruguay. So weiß man gleich, wo man ist.

Seemannsgarn (?) und etwas Geschichte

Namensgeber der drei "Torres-Inseln" (s.o.) ist Francisco Torres, der zur Crew des spanischen Uruguay-"Entdeckers" Juan Díaz de Solís gehörte und dessen Schiff hier anno 1516 sank.

So hatten die drei Eilande, bei denen er Schiffbruch erlitt, wenigstens einen Namen, und er konnte sie besser verfluchen...

Bei dieser Gelegenheit erhielt auch Cabo Polonio seinen Namen von einem der Solís-Tripulanten: "Cabo Apolonio", das "Apollo-Kap", im späteren Sprachgebrauch dann auf "Cabo Polonio" verkürzt.

Und weil wir gerade bei Schiffbrüchen sind: Die ersten (unfreiwilligen) Siedler von Cabo Polonio landeten dort am 31. 1. 1753 (viele Quellen sprechen irrtümlich von 1735), als hier die spanische Galeone mit dem komplizierten Namen "Nuestra Señora del Rosario, Señor San Joseph y las Animas" mit 318 Mann an Bord (Besatzung und Passagiere) unterging. Ein Teil dieser Männer verblieb danach auf der Halbinsel und begann hier zu siedeln.

Das Schiff gehörte übrigens einem Señor namens Joseph Polloni, was Manche zu der Vermutung brachte, der Name Cabo Polonio könnte auch aus dem Nachnamen Polloni entstanden sein.

Im Laufe der Zeit kamen dann weitere Siedler hinzu, v.a. ab dem 19. Jahrhundert, in erster Linie Robbenfänger und Fischer.

Die uruguayische Urbevölkerung hat hier auch schon gewohnt. Archäologische Funde geben Hinweise auf Indiosiedlungen, die älter als 4.000 Jahre sind.

Frühere Naturschutzbemühungen um Cabo Polonio

Die Naturschutzbemühungen um Cabo Polonio reichen schon eine Zeit zurück. Im September 1942 waren das Tal des Flusses Arroyo Valizas und Cabo Polonio zu "Waldreservaten" ("Reserva Forestal") erklärt worden. Im Juli 1966 wurden die Wanderdünen zwischen Cabo Polonio und Punta del Diablo zu "Naturdenkmälern" ("Monumento Natural") deklariert (Dekret 266/966).

1976 wurde die "Reserva de Biosfera Bañados del Este", zu der auch das Gebiet um Cabo Polonio gehört, in das UNESCO-Programm "Der Mensch und die Biosphäre" aufgenommen (vgl. UNESCO-Arbeitsbericht von 2007). Im Mai 1984 wurden Cabo Polonio und umliegende Regionen zum "Ramsar-Gebiet" erklärt, also zum "Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung" gemäß der Ramsar-Konvention (s. dazu Wikipedia und die Homepage der Ramsar Convention on Wetlands).

1992 gab es ein weiteres Naturschutzdekret in Uruguay, das die Laguna de Castillos, Cabo Polonio und Aguas Dulces einschloß.

Das alles waren sozusagen schöne Ehrentitel für Cabo Polonio bzw. gut gemeinte Absichtserklärungen, denen jedoch der politische Wille zur Durchsetzung und der notwendige Rückhalt fehlten. Das soll und wird nun hoffentlich anders werden.

Den in den letzten Jahren zu beobachtenden Verschlechterungen im Gebiet um Cabo Polonio, vor allem verursacht durch zunehmende Forstwirtschaft, einen sich unkontrolliert ausbreitenden Tourismus und wilde Bebauung, soll nun Einhalt geboten werden zugunsten einer Bewahrung des einzigartigen Ökosystems und einer kontrollierten Entwicklung der Region.

Das "Nationale System geschützter Gebiete"

Durch das Dekret vom 20. Juli 2009 wurde Cabo Polonio als drittes Ökosystem in das "Nationale System geschützter Gebiete" ("Sistema Nacional de Áreas Protegidas" - SNAP) aufgenommen, das im Februar 2000 durch das Gesetz Nr. 17.234 geschaffen worden war (hier dessen Ausführungsbestimmungen).

Die anderen zum SNAP gehörenden Regionen in Uruguay sind:

Fotos und Videos von Cabo Polonio

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Ortsansicht von Cabo Polonio, Departamento Rocha, Uruguay.

Foto: Ortsansicht von Cabo Polonio.

Einige Hütten in Cabo Polonio, Departamento Rocha, Uruguay.

Foto: Einige Hütten in Cabo Polonio.

Der Leuchtturm von Cabo Polonio, Departamento Rocha, Uruguay.

Foto: Der Leuchtturm von Cabo Polonio.

Der Leuchtturm von Cabo Polonio, Departamento Rocha, Uruguay.

Foto: Der Leuchtturm von Cabo Polonio.

Eine Wanderdüne bei Cabo Polonio, Departamento Rocha, Uruguay.

Foto: Eine Wanderdüne bei Cabo Polonio
(Photoshop-verdächtig!).

Der Strand bei Cabo Polonio, Departamento Rocha, Uruguay.

Foto: Der Strand bei Cabo Polonio.

Ein Fischerboot am Strand von Cabo Polonio, Departamento Rocha, Uruguay.

Foto: Fischer am Strand von Cabo Polonio.

Fischkutter bei Cabo Polonio, Departamento Rocha, Uruguay.

Foto: Fischkutter, Cabo Polonio.

Fischerboote am Strand von Cabo Polonio, Departamento Rocha, Uruguay.

Foto: Fischerboote am Strand von Cabo Polonio.

 
Video: Cabo Polonio, Uruguay.
 
 
Video: Cabo Polonio, Uruguay.
 
 
Video: Cabo Polonio, Uruguay.
 
 
Video: Cabo Polonio, Uruguay.
Gerichtliche Schritte?

Einige private Grundstücksbesitzer bei Cabo Polonio werden vielleicht nicht so glücklich sein über die neue Situation und möglicherweise versuchen diese gerichtlich anzufechten.

Private Investitionen sind das A und O einer jeden Volkswirtschaft. Aber in diesem Fall haben die Interessen der Allgemeinheit und der Natur Vorrang. Es gibt schon genug El Arenals, d.h. durch Betonsilos zerstörte schöne Plätze, inklusive Punta el Este. Aber es gibt nur ein Ökosystem wie das bei Cabo Polonio. Jetzt ist es mal an der Zeit, daß Naturschönheiten bewahrt werden, so wie sie sind: wild, natürlich und schön.

Vor wenigen Tagen begann übrigens die Saison der Walsichtungen an der uruguayischen Küste und natürlich auch in Cabo Polonio.
 

Quellen: El Espectador v. 20. 7. 2009, El País v. 20. 7. 2009, Últimas Noticias v. 25. 7. 2009, Regierungsmitteilung vom 20. 8. 2007, Gesetztesprojekt des Parlaments v. 16. 7. 2008, "Manifiesto Cabo Polonio" (SNAP), PortadaDelCabo.com, RochaUruguay.com und andere.
 

Hier finden Sie mehr Fotos von Cabo Polonio.


Erstellt: 25. Juli 2009
Letzte Änderung: 3. Juli 2010

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